Veröffentlicht am: 27. August 2026
11 Minuten Lesezeit
Vorlagen für SOC 2, ISO 27001, DORA, NIS 2 und TISAX einrichten, die Einhaltung im Statusbericht verfolgen und per Policy durchsetzen.

Compliance gilt in der Softwareentwicklung als wichtig und ist zugleich wenig beliebt. Dokumentiert wird sie meist in Tabellen und Screenshots — und meist erst dann, wenn ein Audit ansteht. Die Custom Compliance Frameworks von GitLab setzen anders an: Statt zu dokumentieren, was auf ein Projekt zutreffen sollte, definierst du die Kontrollen einmal und lässt die Plattform laufend prüfen, was tatsächlich zutrifft.
Dieser Artikel zeigt, warum die Einhaltung von Compliance-Vorgaben wichtig ist, wie sich ein SOC-2-Framework über eine Vorlage einrichten lässt, wie die Einhaltung laufend beobachtet wird, wie Policies Compliance durchsetzen und welche Standards bereits als fertige Vorlagen bereitstehen. Dazu kommt ein Ausblick auf Vorlagen für KI-spezifische Anforderungen. Im folgenden Video ist das Vorgehen zu sehen:
Tier-Hinweis: Compliance Frameworks stehen in Premium und Ultimate zur Verfügung. Framework-Anforderungen und Kontrollen erfordern Ultimate. Das betrifft die Prüfungen, auf denen die Berichte zur Einhaltung und der Compliance-Statusbericht beruhen. Alle Angaben gelten für GitLab.com, GitLab Self-Managed und GitLab Dedicated.
Regulatorische und vertragliche Anforderungen wie ISO 27001, SOC 2, NIS 2, DORA oder FedRAMP bestehen, weil Kundschaft, Partner und Aufsichtsbehörden die Gewissheit brauchen, dass Software verantwortungsvoll entwickelt und ausgeliefert wird. Werden die Anforderungen nicht erfüllt, bleibt es nicht bei einem Dokumentationsproblem: Abschlüsse können scheitern, Bußgelder anfallen, Produkteinführungen sich verzögern und Vertrauen verloren gehen. Compliance ist zudem kein einmaliges Ereignis. Ein Projekt, das zum Zeitpunkt des Audits alle Anforderungen erfüllt hat, weicht bereits ab, sobald jemand einen Scanner deaktiviert, den Schutz eines Branches aufhebt oder ohne die erforderlichen Freigaben mergt.
Genau diese Lücke schließen Custom Compliance Frameworks. Ein Compliance Framework ist in GitLab ein Label, das auf einer Gruppe der obersten Ebene angelegt wird und Projekte kennzeichnet, für die bestimmte Compliance-Vorgaben gelten oder die zusätzliche Aufsicht brauchen. Für sich genommen sorgt dieses Label für Ordnung und Sichtbarkeit. In Ultimate kann ein Framework zusätzlich Anforderungen tragen, die wiederum aus Kontrollen bestehen. Kontrollen sind automatisierte Prüfungen der Konfiguration und des Verhaltens jedes Projekts, dem das Framework zugewiesen ist.
Statt eine Person aus dem Entwicklungsteam bestätigen zu lassen, dass SAST läuft, dass der Standard-Branch geschützt ist und dass Merge Requests zwei Freigaben benötigen, prüft GitLab diese Bedingungen automatisch — nach Zeitplan und immer dann, wenn sich relevante Projekteinstellungen ändern. Compliance ist damit keine Momentaufnahme mehr, die vor einem Audit zusammengestellt wird, sondern ein Zustand, der sich ganzjährig beobachten lässt. Frameworks werden auf der Gruppe der obersten Ebene angelegt und von allen darunterliegenden Untergruppen und Projekten geerbt. Einem einzelnen Projekt lassen sich bis zu 20 Frameworks zuweisen, wenn es mehrere Standards gleichzeitig erfüllen muss.
Für die tägliche Arbeit ändert sich dadurch mehreres. Compliance rückt nach vorne in den Entwicklungsprozess, die Auditvorbereitung besteht für die abgedeckten Kontrollen im Export eines Berichts statt im Rekonstruieren von Nachweisen, und für Konsistenz sorgt die Plattform statt guter Vorsätze.
Ein Framework von Hand aufzubauen bedeutet, jede Anforderung und jede Kontrolle einzeln zu definieren. Bei einem Standard wie SOC 2, der auf viele Kontrollen abbildet, ist das repetitiv und fehleranfällig. Vorlagen lösen das. Eine Vorlage liefert ein vollständiges, vordefiniertes Framework, in dem Name, Beschreibung, Farbe, Anforderungen und Kontrollen bereits konfiguriert sind und das sich in einem Schritt übernehmen lässt.
Das Projekt Compliance Adherence
Templates
enthält eine Bibliothek solcher Frameworks als JSON-Dateien, darunter soc2.json.
Es gibt zwei Wege, eine Vorlage in die eigene Gruppe zu übernehmen.

Ein Framework lässt sich direkt aus einer integrierten Vorlage erstellen, ohne die Oberfläche zu verlassen:
Das Framework ist damit angelegt und wird auf die ausgewählten Gruppen bzw. Projekte angewendet.
Wenn die eingesetzte GitLab-Version die Vorlagenauswahl im Produkt noch nicht enthält oder die Vorlage zunächst versioniert und angepasst werden soll, lässt sich das JSON direkt importieren:
soc2.json herunterladen.soc2.json vom lokalen System auswählen.Ein Framework wird erst wirksam, sobald es Projekten zugewiesen ist. Deshalb sollte es den Gruppen bzw. Projekten zugewiesen werden, in denen es gelten soll.
Hinweis: Der Import schlägt mit der Fehlermeldung Unable to determine the correct upload URL
fehl, wenn bereits ein Framework mit demselben Namen existiert. Das vorhandene Framework muss zuvor
umbenannt oder entfernt werden.
Das neu erstellte Framework lässt sich anschließend bearbeiten und weiteren Gruppen bzw. Projekten zuweisen:
Soll jedes neue Projekt der Gruppe SOC 2 automatisch erben, lässt sich das Framework im Abschnitt Basic information als default der Gruppe festlegen. Es wird dann auf alle künftig erstellten und importierten Projekte angewendet.
Einmal zugewiesen, ordnet das SOC-2-Framework GitLab-Kontrollen den jeweiligen Trust Services Criteria zu. Einige Beispiele:
| SOC-2-Kriterium | Inhalt | Angewendete GitLab-Kontrollen |
|---|---|---|
| CC3.2 | Schwachstellen in Systemkomponenten identifizieren | Dependency Scanning, Container Scanning, DAST und API Security laufen |
| CC5.1 | Funktionstrennung | Mindestens zwei Freigaben, keine Freigabe durch die einreichende oder committende Person, Freigaberegeln gegen Bearbeitung gesperrt |
| CC6.6 | Schutz von Anmeldedaten bei der Übertragung | Secret Detection läuft |
| CC6.8 | Erkennung unbefugter oder schädlicher Softwareänderungen | Standard-Branch ist geschützt |
| CC7.1 | Erkennung neuer Schwachstellen durch Scans | Dependency Scanning, Container Scanning, SAST, DAST und API Security laufen |
| CC8.1 | Änderungen genehmigen, testen und freigeben | SAST, DAST und Secret Detection laufen, Standard-Branch ist geschützt, mindestens zwei Freigaben |
Sobald das Framework einem Projekt zugewiesen ist, führt GitLab einen Compliance-Scan aus und berichtet fortlaufend, ob die einzelnen Kontrollen erfüllt sind. Für die abgedeckten Kontrollen entfällt damit die manuelle Zusammenstellung von Nachweisen.
Ein Framework zuzuweisen ist nur die halbe Arbeit. Die andere Hälfte besteht darin, jederzeit zu wissen, wo das Unternehmen steht. Dafür gibt es den Compliance-Statusbericht (Ultimate), zu finden in der Gruppe der obersten Ebene unter Secure > Compliance center > Status.
Der Bericht zeigt die jüngsten Fälle, in denen Projekte die Kontrollen eines Frameworks erfüllen oder nicht erfüllen. Lücken lassen sich so schnell erkennen und schließen. Jede Zeile enthält:
Der Bericht lässt sich nach Projekt, Framework oder Anforderung filtern. Von dort führt der Weg direkt in die Compliance-Detailansicht eines Projekts. Der gesamte Bericht lässt sich exportieren und wird als Anhang per E-Mail zugestellt, wenn Prüfende Nachweise anfordern.

Im Hintergrund starten die Scans, die den Bericht aktualisieren, automatisch: wenn einem Projekt ein Framework zugewiesen wird, wenn sich die Anforderungen eines zugewiesenen Frameworks ändern und zusätzlich in einem festen 12-Stunden-Takt. Ergebnisse liegen in der Regel fünf bis zehn Minuten nach einem Scan vor. Abweichungen werden dadurch innerhalb weniger Stunden sichtbar und nicht erst beim nächsten jährlichen Audit. Für den Zugriff auf den Bericht ist die Administratorrolle oder die Rolle Security Manager oder Owner für die Gruppe erforderlich.
Berichte zeigen, wenn etwas nicht stimmt. Policies verhindern, dass es überhaupt dazu kommt. An dieser Stelle gehen Compliance Frameworks von der Beobachtung in die Durchsetzung über. Diese Funktion gehört zu Ultimate und ist an das Framework-Label gebunden.

Ein Compliance Framework kann als Geltungsbereich für Security Policies dienen. Scan Execution Policies, Pipeline Execution Policies und Merge Request Approval Policies lassen sich auf ein Compliance Framework beziehen. Jedes Projekt mit diesem Label erbt sie dann automatisch. So lässt sich beispielsweise festlegen, dass SAST, Secret Detection und Dependency Scanning auf dem Standard-Branch laufen und dass ein benanntes Sicherheitsteam zustimmen muss, bevor ein Merge Request mit neuen kritischen Schwachstellen gemergt werden darf. Da die Policy am Framework hängt und nicht an einzelnen Projekten, gelten für ein neu hinzugefügtes Projekt sofort dieselben Leitplanken.
Die Teile greifen ineinander. Das Framework definiert die Verpflichtung, Kontrollen und der Statusbericht messen die Einhaltung, Policies und Compliance-Pipelines setzen das Verhalten durch. Dokumentiert wird damit nicht nur, dass SOC 2 zwei Freigaben und laufende Scanner verlangt. Es wird zugleich schwer, etwas auszuliefern, das diese Anforderungen verletzt. Schlägt eine Kontrolle fehl, weist der Statusbericht darauf hin. Greift eine Policy, wird die abweichende Änderung blockiert, bevor sie gemergt wird.
GitLab pflegt im Projekt Compliance Adherence Templates eine wachsende Bibliothek vordefinierter Framework-Vorlagen. Jede bildet einen anerkannten Standard auf GitLab-Kontrollen ab. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sind das:
| Standard | Vorlagendatei |
|---|---|
| CIS Critical Security Controls v8.1 | cis_csc_v8-1.json |
| CSA Cloud Controls Matrix v4 | csa_ccm_v4.json |
| Cyber Essentials | cyber_essentials.json |
| DORA (Digital Operational Resilience Act) | dora.json |
| FedRAMP Low / Moderate / High (Rev 5) | fedramp_low_r5.json, fedramp_moderate_r5.json, fedramp_high_r5.json |
| IRAP Official / Protected / Secret / Top Secret | irap_official.json, irap_protected.json, irap_secret.json, irap_top_secret.json |
| ISMAP | ismap.json |
| ISO 27001:2022 | iso_27001:2022.json |
| NIS 2 | nis_2.json |
| NIST 800-53 Rev 5 | nist_800-53_r5.json |
| NIST 800-171 Rev 3 (CMMC) | nist_800-171_r3_cmmc.json |
| NIST CSF 2.0 | nist_csf_2.json |
| NIST SP 800-218 (SSDF) | nist_800-218_v1-1.json |
| PCI DSS v4.0.1 | pci_dss_v4-0-1.json |
| SOC 2 | soc2.json |
| TISAX | tisax.json |
Welche Anforderung auf welche Kontrolle abgebildet wird, ist in der Referenz
Compliance-Standards
dokumentiert. Jede Vorlage lässt sich unverändert importieren oder als Ausgangspunkt nutzen: das
Framework als JSON exportieren, Anforderungen und Kontrollen an die eigene Auslegung des Standards
anpassen und wieder importieren. Das JSON-Schema ist überschaubar. Ein Framework hat name,
description, color und ein Array requirements, das jeweils eigene controls und einen Ausdruck
expression zur Auswertung enthält. Vorlagen lassen sich dadurch versionieren und
gruppenübergreifend teilen.
Die heute abgedeckten Compliance-Standards wurden überwiegend für klassische Software geschrieben. Da Unternehmen KI in ihre Produkte und in die eigene Entwicklung einbinden, entsteht eine neue Klasse von Anforderungen daran, wie KI-Systeme entwickelt, freigegeben und überwacht werden. Beispiele sind der EU AI Act, ISO/IEC 42001 und das NIST AI Risk Management Framework.
GitLab prüft derzeit Compliance-Vorlagen für KI-Governance (Epic #16808, Planung in Work item #22336), um dasselbe auf Vorlagen gestützte Modell auf diesen Bereich auszuweiten. Die Absicht dahinter: Ein KI-Governance-Framework soll sich ebenso einfach übernehmen lassen wie heute SOC 2 — mit vordefinierten Anforderungen und Kontrollen für KI-spezifische Vorgaben, angewendet auf die Projekte, die KI-Funktionen entwickeln oder bereitstellen, und sichtbar im selben Compliance-Statusbericht.
Eine Unterscheidung lohnt sich dabei. Compliance ist der Zustand, in dem ein definierter Satz von Anforderungen erfüllt ist. Governance ist die dauerhafte Fähigkeit, KI-Systeme auch dann konform zu halten, wenn sich sowohl die Systeme als auch die Regeln weiterentwickeln. GitLab verbindet dabei KI-gestützte Erkennung mit menschlicher Freigabe und mit einer nachvollziehbaren, richtlinienbasierten Durchsetzung. KI-Ergebnisse fließen in Entscheidungen ein, doch die Freigabepunkte vor der Auslieferung bleiben bei verantwortlichen Personen und messbaren Kontrollen. KI-spezifische Vorlagen wären der Einstieg dazu: Neue KI-Anforderungen ließen sich damit in denselben Apparat aus Framework, Kontrollen, Statusbericht und Policies überführen, der bereits für alles andere genutzt wird.
Mit Custom Compliance Frameworks werden die eigenen Verpflichtungen einmal definiert und anschließend laufend von GitLab geprüft. Vorlagen nehmen die manuelle Einrichtung ab: Ein SOC-2-Framework entsteht über wenige Schritte in der Oberfläche oder über einen einzigen JSON-Import. Der Compliance-Statusbericht hält die Einhaltung im 12-Stunden-Takt sichtbar, Security Policies und Compliance-Pipelines machen aus dieser Sichtbarkeit eine Durchsetzung. Mit der vorhandenen Bibliothek an Standards und dem Ausblick auf KI-spezifische Vorlagen ist der Weg von „wir sollten konform sein“ zu „wir können die Einhaltung laufend nachweisen“ kürzer geworden.
Mehr dazu in der Dokumentation zu Compliance Frameworks sowie in der interaktiven Demo zu Custom Compliance Frameworks.
Dieser Blogbeitrag enthält „zukunftsgerichtete Aussagen“ im Sinne von Section 27A des Securities Act von 1933 in der jeweils geltenden Fassung sowie von Section 21E des Securities Exchange Act von 1934. Auch wenn wir die darin zum Ausdruck gebrachten Erwartungen für angemessen halten, unterliegen diese bekannten und unbekannten Risiken, Unsicherheiten, Annahmen und weiteren Faktoren, die dazu führen können, dass die tatsächlichen Ergebnisse wesentlich abweichen. Weitere Informationen zu diesen Risiken und anderen Faktoren finden sich unter der Überschrift „Risk Factors“ in unseren Einreichungen bei der SEC. Wir übernehmen keine Verpflichtung, diese Aussagen nach dem Datum dieses Blogbeitrags zu aktualisieren oder zu korrigieren, sofern dies nicht gesetzlich vorgeschrieben ist.
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